Liebe Gemeinde, dieser Sommer hat es in sich! Zumindest bei uns in Medebach. Ein Großereignis jagt das andere: 875 Jahre Stadtjubiläum, 180 Jahre Grundsteinlegung der Evangelischen Kirche, 100 Jahre Vereinsjubiläum TuS Medebach und Europaschützenfest! Und auf einer ganz persönlichen Note: Im August sind es 10 Jahre, dass ich Pfarrer in Medebach bin. Und sicher habe ich das eine oder andere Jubiläum hier gar nicht erwähnt. Bei so viel Feierlichkeiten fällt bei vielen die Urlaubsplanung unten durch. Darum haben wir beschlossen, gewissermaßen zur Erholung, im kommenden Jahr 2020 die Kirche zu schließen. Ein Jahr lang Pause. Sabbatjahr. Erholung. Wir sparen so eine Menge Geld und Energie. Und überhaupt: Würde irgendjemand was vermissen? Vielleicht merkt der eine oder die andere nach ein paar Wochen, dass unsere Glocken nicht mehr dreimal täglich läuten. Nun ja, einige haben das eh immer schon als Ruhestörung empfunden. Wenn die Gottesdienste ausfallen, sind vielleicht ein paar Leute traurig. Ihnen wird sonntags was fehlen. Die Anderen? Sonntag? Gottesdienst? Bin ich eh nie hingegangen. Kann mit meiner Zeit was besseres anfangen. Weihnachten – pardon – Heilig Abend kein Krippenspiel mehr? Ach wie schade! Das hat uns doch immer so schön in Stimmung gebracht. Und was ist mit der Konfirmation? Pause. Wird im Jahr danach nachgeholt. Ein Jahr Unterrichtspause. Auch schön. Aber was ist mit Beerdigungen? Da gibt’s ja den Friedwald. Kann jeder hin, kann jeder machen. Auch Nicht-Pastoren. Und Sie? Und Du? Ja – ich meine Dich und Sie, liebe Leser. Was würde Ihnen fehlen? Würdest Du was vermissen, wenn die Kirche Pause macht? Für ein Jahr oder gar für immer schließt? Was wäre, wenn es in Medebach keine evangelische Kirche mehr geben
würde? Wenn wir den Laden dicht machten? Machen wir natürlich nicht! Auch nicht für ein Jahr. War nur ein Gedankenspiel sich mal zu überlegen: was wäre wenn...? Jubiläen – ob kirchliche oder gesellschaftliche – sind vornehmlich dazu da sich und andere zu erinnern, dass nichts selbstverständlich zu nehmen ist. Und darüber Dankbarkeit für das Vorhandene und Gewesene zu entwickeln. Und es auch zu nutzen! Denn meist lernt man ja erst dann etwas zu schätzen, wenn es nicht mehr da ist. Mit abschließender Frage wünsche ich Ihnen und Euch einen ereignisreichen Sommer: Was ist Dir Deine Kirchengemeinde wert? Herzlichst, Pfarrer Uwe J. Steinmann
DAS GEISTLICHE WORT